31.03.2008 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung: Gottschalks Konkurrenz

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31.03.2008 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Gottschalks Konkurrenz

Münster. Die Talkshow erobert das Pumpenhaus. Wo sich gewöhnlich Tanz und Theater in Avantgarde üben, hatte Adam Riese am Samstagabend zur besten Wetten dass …?-Zeit ein Sofa riesiges auf die Bühne gewuchtet.

Götz Alsmann und Nikola Materne. Sie singen “Musik liegt in der Luft”. Begleitet von der Showband “Markus Paßlick und seine Original Pumpernickel”.
Musikalisch unterstützt von Markus Paßlick und seinen Original Pumpernickeln, plauderte er vor ausverkauftem Haus drei Stunden lang mit Götz Alsmann, der Sängerin Nikola Materne und der TV-Redakteurin Hilla Stadtbäumer. Gottschalk und Konsorten hätten es nicht besser hingekriegt. Was natürlich auch an den Gästen lag.

Für Nikola Materne, die mit dem Duo „Sphere“ und der Jazzband „Bossa noire“ Erfolge feiert, hat sich Riese ein Patriotismus-Spiel ausgedacht. Da sie abwechselnd in Münster und Berlin wohnt, muss sie sich zwischen Alternativen wie Prinzipalmarkt oder Kudamm, Kreuzviertel oder Kreuzberg, Schwan Petra oder Bär Knut, entscheiden. Zwar gewinnt Berlin knapp, aber Riese, Münsteraner mit Leib und Seele, deutet das Ergebnis in ein gefühltes Unentschieden um und überschüttet seinen Gast mit einem Berg gesponserten Pumpernickels.

Nicht seefest

Von Hilla Stadtbäumer erfährt man, dass sie ursprünglich Meeresbiologin werden wollte. Da sie sich als nicht seefest erwies, heuerte sie zunächst beim Naturkundemuseum in Münster an. Später wechselte sie zum Fernsehen, wo sie heute Chefredakteurin bei der „Sendung mit der Maus“ ist. Eingedenk ihrer Biologinnen-Vergangenheit soll sie Vogelstimmen erraten. Dabei stellt sich heraus, dass Redakteurin doch der bessere Job für sie ist.

Götz Alsmann kennt jeder, was soll man ihn noch groß erzählen lassen? Riese entlockt ihm Erinnerungen an seine Anfänge im Odeon. Dokumentiert wird das Ganze durch einen Ausschnitt aus dem genial dilettantischen Jux-Video „1200 Jahre Odeon“, in dem Alsmann den Rock’n’Roll-Animateur gibt. Auf das Stichwort Lambertibrunnen fallen ihm langhaarige Hippies ein. Er selbst sei aber nie dabei gewesen, sondern habe bei Tschibo um die Ecke seinen Kaffee getrunken – „alleine zwar, aber in dem Bewusstsein, ich habe Recht und die bessere Frisur“.

Die nächste Show ist Pfingstsamstag (10. Mai) im Pumpenhaus mit den Gästen Carsten Höfer (Comedian), Johnny Ketzel (Countrysänger) und Sandra Lüpkes (Autorin). Karten im Ticket-Corner unter Tel. 0251/5925252.

30.03.2008 – Arndt Zinkant in den Westfälischen Nachrichten: Götz Alsmann bei Adam Riese

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30.03.2008 – Arndt Zinkant in den Westfälischen Nachrichten
Götz Alsmann bei Adam Riese

Münster – Die Nation scheint Talkshow-süchtig zu sein – auf sämtlichen Fernsehkanälen tummeln sich Dampfplauderer mit Prominenten, die aus ihrem Leben erzählen und en passant ihre Bücher und CDs anpreisen. Reicht das alles noch nicht?

Nein! Münsters Talk-Süchtige sind so unersättlich, dass viele bei der Kartenhatz für die „Adam Riese Show“ leer ausgingen; der Moderator konnte nicht umhin, in seiner Eröffnung charmant-süffisant darauf hinzuweisen. Die Pumpen-haus-Premiere seiner Show war ein voller Erfolg – obwohl (oder gerade weil?) sie sich damit begnügte, bewährte Elemente von Harald Schmidt abzukupfern.

Andererseits: Wer wäre nicht gern live dabei, wenn sogar einem alten Entertainment-Fuchs wie Götz Alsmann die Spucke wegbleibt, weil sein alter Spezi Adam ein Video der Flegeljahre aus dem Hut zaubert? Götz in alten „Odeon“-Tagen, dessen Tolle noch nicht zur Höchstform auflief, der in Zeiten von Punk den vermeintlich „jugendgefährdenden“ Rock’n’Roll zelebriert! Da schlägt sich der ganze Saal auf die Schenkel, wenn solche Nostalgie-Bomben auf der Leinwand zünden.

Alsmann kalauert entspannt wie selten, quasi mit Heimvorteil, wenn er sich auf dem gelben Krukenkamp-Sofa mit Riese die Bälle zuspielt: Hauptbahnhof („ist das Bahnhofsklo!“), Münster-Dönkes und Götzis Weigerung, in den Siebzigern ein Hippie zu werden. Sogar seine „zentralasiatische“ Hüte-Sammlung hat der Mann dabei!

Und zumindest zweierlei hat Adam Riese dem Late-Night-König Schmidt voraus: Wirkliches Interesse an seinen Gästen und eine wirklich tolle Band. Gäste mit Münster-Bezug sind außer Alsmann noch die Popsängerin Nikola Materne und Hilla Stadtbäumer, Redakteurin bei der „Sendung mit der Maus“ (deren Titelmusik natürlich von Markus Paßlicks Band, den „Original Pumpernickeln“ knackig intoniert wird). Mit Nikola Materne singt Götz ein jazzig-süffiges Duett, greift dabei beherzt zu seinem Akkordeon („Heimweh-Kompressor“), muss sich jedoch beim Münster-Quiz Hilla Stadtbäumer geschlagen geben. Die ist studierte Zoologin, genau wie Percussionist Paßlick, der früher Gags für Harald Schmidt schrieb und die Kollegin nun Vogellaute raten lässt. Alles nett und launig.

Doch obwohl Adam Riese ständig witzelt „Hier gibt’s keine Kameras!“ – wenn Materne ihre CD hochhält und Alsmann sein Hörbuch, dann ist die TV-Verkaufsmaschine ganz nah. Die Show im Pumpenhaus ist durchaus ein Triumph der alten Maxime: Besser gut geklaut als schlecht erfunden.

22.03.2008 – Markus Küper in den Westfälischen Nachrichten: Tierischer Beifall für eine Zoogeschichte

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22.03.2008 – Markus Küper in den Westfälischen Nachrichten
Tierischer Beifall für eine Zoogeschichte

Münster. Wo die Gitterstäbe fehlen, ist die Grenze zwischen Tier und Mensch oft fließend. Jerry alias Andreas Ladwig jedenfalls, dieser ausgesetzte Streuner im „Bahnhof Zoo“ des Pumpenhaus-Kellers, wirkt wie ein trauriger Hund in Lauerstellung. Penetrant zieht der Typ im Muskelshirt seine unruhigen Kreise, beschnuppert Peter (Pitt Hartmann), den arglosen Herrn auf der Parkbank, mit vorsichtiger Neugier, hockt sich in sicherer Distanz vor ihn hin und geht forsch zum verbalen Angriff über: „Ich war im Zoo“.
Das Publikum, durch die U-Bahn-Geräusch-Installation von Gregor Droste in die klaustrophobische Enge dieser aus grünen Leuchtstoffröhren und Wellpapp-Quadern stilisierten Parklandschaft gelotst, ahnt sofort: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser nervige, indiskret herumschawenzelnde Kläffer in diesem Mikrokosmos des Lebens zum Sprung auf Peters Territorium ansetzt und Edward Albees auf ebenso sanften wie absurden Satire-Pfoten stromerndes Konversationsstück in der Tragödie endet. Bis dieser zufällige „Dialog“, diese harmlose Plauderei zweier sehr ungleicher Menschen in die tätliche Katastrophe kippt. Weil Jerry mit verbaler Arglist an Peters goldenen Biedermann-Käfig knabbert, dessen wohlanständiges Leben mit den Wellensittichen in seiner Tragik entblößt und auch ansonsten alles tut, die unsichtbaren Gitterstäbe zwischen ihnen zu durchbeißen, den Verleger in Verlegenheit zu bringen.
Mit viel Gespür für subtile Stimmungswechsel haben Andreas Ladwig und Peter Hartmann Albees „Zoogeschichte“ in Szene gesetzt, pendeln die Spannung ihrer traurigen Gestalten aus zwischen Drohgebärde und Zweikampf, zwischen Ignoranz und Arroganz. Man spürt die Unsicherheit hinter Hartmanns konventionell-unverbindlichem Gehabe, hinter seiner Fassade wohlwollender Höflichkeit, wenn er ungemütlich auf seiner Bank herumruckelt und verkrampft in seinem Textbuch blättert.
Wenn Ladwigs Jerry sich in Rage redet, wird aus dem lauernden schnell ein tollwütiger Hund, der nicht nur bei seiner „Hundeparabel“ mit den Zähnen fletscht und den ohnehin leicht verschreckten Peter noch schwerer in die Parkbank sinken lässt. Ruhelos zwischen Soziopath und Menschenfreund flirrt dieser Jerry, der sich veralbert fühlt, wenn die Tragikomik von Peters Existenz sich in einem Lachkrampf entlädt. Am Ende ist einer tot, und für den anderen nichts im Leben mehr wie vorher. Tierischer Beifall!

21.03.2008 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung: Gift in kleinen Dosen

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21.03.2008 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Gift in kleinen Dosen

Das Rumpeln der U-Bahn wird leiser, und man hört erste Vogelstimmen. Der Central Park in New York an einem sonnigen Nachmittag. Peter, Familienvater und leitender Angestellter in einem renommierten Verlag, tritt auf.
Er setzt sich auf eine Bank und holt ein Buch aus der Tasche. Edward Albee: „Die Zoogeschichte“. Manchmal muss er schmunzeln über das, was er liest. Später wird ihm das Lachen vergehen.
Es ist ein netter kleiner Kunstgriff, dass Pitt Hartmann in der Rolle des Peter genau das Stück liest, das er auf der Kellerbühne des Pumpenhauses gerade spielt. Man fragt sich nur, über was er gelächelt hat, denn allzu Erfreuliches bietet ihm der weitere Handlungsverlauf nicht. Das liegt an Jerry, einem nicht unsympathischen, aber zuweilen ein bisschen verwirrt wirkenden jungen Mann, der wenig später auftaucht.

Außenseiter
Jerry erzählt Peter von seinem Leben als Außenseiter, von seinem „lächerlich kleinen Zimmer“, das nur durch eine dünne Bretterwand von einem anderen lächerlich kleinen Zimmer abgetrennt ist, von seiner verrückten Vermieterin, deren Hund er vergiftet hat, und vom Zoo, wo er sich mit den eingesperrten Tieren identifiziert. Was als Geplauder beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem Krieg zwischen Privilegierten und Nichtprivilegierten, der als Kampf um die Parkbank ausgetragen wird und tödlich endet.

„Ich bin verrückt!“
Das Stück lebt von seinen Darstellern. Andreas Ladwig als Jerry verabreicht sein Gift in kleinen Dosen. Geschickt wechselt er zwischen Anklage und Verständnis, bis er es plötzlich klar ausspricht: „Ich bin verrückt, du Trottel!“ Pitt Hartmann als Peter reagiert auf die Angriffe meist nur durch Mimik und minimale Gesten, die aber mehr ausdrücken als alle Worte. Ein sensibles, mit einfachen Mitteln wirkungsvoll inszeniertes Kammerspiel, das in 50 Jahren nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Weitere Aufführungen am 22., 24.-28. März um 20 Uhr im Pumpenhaus sowie am 23. März um 14.30 Uhr in der Foto-Ausstellung von Thomas Niessen im Alten Güterbahnhof, Hafenstraße 64. Karten: Telefon 0251/233443.

13.03.2008 – Panik im Park: Psychodrama im Pumpenhaus / Manuel Jennen/MZ

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13.03.2008 – Panik im Park: Psychodrama im Pumpenhaus
Manuel Jennen/MZ kündigt Zoogeschichte an

Münster. Elizabeth Taylor und Richard Burton spielten die Rollen ihres Lebens: Pöbelnd und saufend begeisterten sie als Professoren-Paar im Film „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“.
Dieses Drama von Edward Albee ist zweifellos eines der berühmtesten Theaterstücke des 20. Jahrhunderts. Doch sein Autor erzielte nie wieder einen vergleichbaren Hit. Nur wenige dürften überhaupt wissen, dass der 80-jährige US-Künstler noch immer schreibt.
In Münsters Pumpenhaus entdecken Pitt Hartmann und Andreas Ladwig den Schriftsteller jetzt neu. Genauer gesagt: sein allererstes Stück, „Die Zoogeschichte“ von 1959. Seltsamerweise wurde dieser Einakter für zwei Schauspieler in Deutschland uraufgeführt. Albee, der damals als Schreibmaschinen-Vertreter arbeitete, kam über drei Ecken mit dem Schweizer Schauspieler und Übersetzer Pinkas Braun in Kontakt. Der vermittelte den Text über weitere Ecken ans Berliner Schillertheater. Die Premiere war ein rauschender Erfolg.
Katastrophe
„Die Zoogeschichte“ erzählt die Begegnung zweier Männer im New Yorker Central Park. Der konservative Familienvater Peter sitzt arglos auf einer Bank, als Jerry ihn anspricht: ein anstrengender, psychisch labiler Mann, der ungefragt sein Leben ausbreitet und eine Katastrophe auslöst. In der für das US-Theater der 50er und 60er Jahre typischen tragikomischen Wucht werden alle wunden Punkte der Gesellschaftsordnung beleuchtet.
U-Bahn im Keller
Die Aufführung von Pitt Hartmann und Andreas Ladwig findet im Keller des Pumpenhauses statt: Die Besucher steigen zunächst durch eine Video-Installation von Gregor Droste in eine Art U-Bahn-Station hinab und landen dann in einer grünen Park-Idylle.
Für die Vorstellung am Ostersonntag (23. März, 14.30 Uhr) haben sich Hartmann und Ladwig indes einen besonderen Spielort ausgesucht: Dann gastiert das Stück in der New-York-Ausstellung des Fotografen Thomas Niessen am Alten Güterbahnhof. Dort ist der Central Park in einem berückend schönen Bild eingefangen und sorgt für authentisches Flair.

Premiere am 19. März (Mittwoch) um 20 Uhr im Pumpenhaus. Karten: Telefon 0251/233443.

13.03.2008 – Charismatische Tänzer / WN über Olga Pona

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13.03.2008 – Charismatische Tänzer
WN über Olga Pona

Münster. Nackte Rücken krümmen sich im Takt zu sphärischen Klängen. Ein bloßer Körper liegt auf einer Bare, wird nach oben und unten gekippt und vermessen wie ein Stück Ware. Den Rücken zum Publikum gewandt, spielen Tänzer mit glitzernden Miniatur-Planeten und verführerischen Äpfeln. Dabei wirken sie wie traurige Clowns, die sich ihren Träumen hingeben.

Es sind starke, geradezu poetische Bilder, die das russische Chelyabinsk Contemporary Dance Theater im Pumpenhaus zeigte. „Celestial Bodies“ – „Himmelskörper“ – ist denn auch der Titel von Olga Ponas Choreografie, die bereits kurz nach ihrer Weltpremiere in Münster zu sehen war.

Olga Pona und ihre Tanzcompany sind eine Ausnahme-Erscheinung in Russland. Im Gegensatz zum klassischen Ballett ist zeitgenössischer Tanz dort immer noch eine Seltenheit, erst Recht in Chelyabinsk, Industrie-Metropole am Ural und Heimat der gelernten Traktoringenieurin sowie ihres 13-köpfigen Ensembles. Erfolge feiert die Truppe, die bereits mit der begehrten Goldenen Maske ausgezeichnet worden ist, sowohl national als auch international.

Mit ihrer neuesten Produktion beweist die Company wieder einmal ihre Qualität, die sowohl in starker, persönlicher Ausdruckskraft der Künstler liegt, wie auch in choreografischen Szenen im Spannungsfeld zwischen Kapitalismus und post-sowjetischer Enge.

In „Celestial Bodies“ sind dies Individuen, die Schwerelosigkeit suchen. Soli, Duette und Trios sind geprägt von Artistik, hohen Beinen und Körpergliedern, die gen Himmel streben, bis sie schließlich tatsächlich in einem skurrilen Fahrstuhl nach oben gezogen werden.

Im zweiten Stück des Abends, „Audrey“, das Olga Pona gemeinsam mit der Tänzerin Maria Greyf erarbeitet hat, wird klar, dass der Westen durchaus auch kritisch betrachtet wird. Die zarte, präzise wie charmant tanzende Greyf bringt nicht nur das Ideal des Leinwandstars Audrey Hepburn auf die Bühne, sondern stellt auch persönliche Schattenseiten dar. Zu russischen Klängen formt die charismatische Tänzerin Audreys Katze aus Knetgummistreifen und füllt die Figur mit Milch. Dann benetzt sie ihren nackten Oberkörper damit und wälzt sich in rosa Federn, so lange, bis sie diese wieder herauswürgen muss – Ruhm hat seinen Preis. Herzlicher Applaus für eine hervorragende Vorstellung.

13.03.2008 – Manuel Jennen – Panik im Park: Psychodrama im Pumpenhaus

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13.03.2008 – Manuel Jennen am 12.03.2008 17:19 Uhr
Panik im Park: Psychodrama im Pumpenhaus

Dieses Drama von Edward Albee ist zweifellos eines der berühmtesten Theaterstücke des 20. Jahrhunderts. Doch sein Autor erzielte nie wieder einen vergleichbaren Hit. Nur wenige dürften überhaupt wissen, dass der 80-jährige US-Künstler noch immer schreibt.
In Münsters Pumpenhaus entdecken Pitt Hartmann und Andreas Ladwig den Schriftsteller jetzt neu. Genauer gesagt: sein allererstes Stück, „Die Zoogeschichte“ von 1959. Seltsamerweise wurde dieser Einakter für zwei Schauspieler in Deutschland uraufgeführt. Albee, der damals als Schreibmaschinen-Vertreter arbeitete, kam über drei Ecken mit dem Schweizer Schauspieler und Übersetzer Pinkas Braun in Kontakt. Der vermittelte den Text über weitere Ecken ans Berliner Schillertheater. Die Premiere war ein rauschender Erfolg.

Katastrophe
„Die Zoogeschichte“ erzählt die Begegnung zweier Männer im New Yorker Central Park. Der konservative Familienvater Peter sitzt arglos auf einer Bank, als Jerry ihn anspricht: ein anstrengender, psychisch labiler Mann, der ungefragt sein Leben ausbreitet und eine Katastrophe auslöst. In der für das US-Theater der 50er und 60er Jahre typischen tragikomischen Wucht werden alle wunden Punkte der Gesellschaftsordnung beleuchtet.

U-Bahn im Keller
Die Aufführung von Pitt Hartmann und Andreas Ladwig findet im Keller des Pumpenhauses statt: Die Besucher steigen zunächst durch eine Video-Installation von Gregor Droste in eine Art U-Bahn-Station hinab und landen dann in einer grünen Park-Idylle.
Für die Vorstellung am Ostersonntag (23. März, 14.30 Uhr) haben sich Hartmann und Ladwig indes einen besonderen Spielort ausgesucht: Dann gastiert das Stück in der New-York-Ausstellung des Fotografen Thomas Niessen am Alten Güterbahnhof. Dort ist der Central Park in einem berückend schönen Bild eingefangen und sorgt für authentisches Flair.

13.03.2008 – Gerhard Heinrich Kock in den Westfälischen Nachrichten: Zwei Männer – ein Gespräch

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13.03.2008 – Gerhard Heinrich Kock in den Westfälischen Nachrichten
Zwei Männer – ein Gespräch

Münster. „Die Zoogeschichte“ ist einfach gestrickt, aber genial gemustert. Es ist ein Stück in nur einer Szene, aber in dieser guten Stunde prallen Leben, Welten, Konzepte gnadenlos aufeinander. Ein echter Edward Albee eben. Pitt Hartmann und Andreas Ladwig haben sich diesen Klassiker zum 50-Jährigen Bestehen des Stücke vorgenommen.
Mit der 1958 geschriebenen „Zoo Story“ gelang Edward Albee gleich mit seinem ersten Werk der Durchbruch. Witzigerweise wurde das Stück 1959 in Berlin uraufgeführt. Später in New York schwärmte Norman Mailer: „Das ist der beste Einakter, den ich je gesehen habe.“ Für Albee bedeutete dies, keine Schreibmaschinen mehr verkaufen zu müssen, sondern Stücke zu schreiben, Stücke wir „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“.
In der „Zoogeschichte“ treffen der Familienvater Peter und der Loser Jerry an einer Parkbank aufeinander. Aber mit den Personen gerät zugleich viel mehr aneinander: Gewohnheit auf Unrast, der Sesshafte mit dem Nomaden, das Gesellschaftstier mit dem Individualisten, der amerikanischer Traum mit dem amerikanischer Albtraum.
Hartmann und Ladwig lassen dieses intime Gespräch im öffentlichen Raum im Keller des Pumpenhauses stattfinden. Fürs passende New-York-Feeling sorgt Gregor Droste, der Ton-Material und Fotos aus Big Apple beisteuert. Der Zuschauer wird den Bühnenraum wie ein Subway-Entree betreten. Am Ostersonntag gibt es einer Sondervorstellung im alten Güterbahnhof inmitten der New-York-Fotos von Thomas Niessen, zugleich die letzte Gelegenheit, die Fotos zu sehen. Premiere ist am Mittwoch (19. März) um 20 Uhr. Weitere Aufführungen: 20., 21. und 22. März im Pumpenhaus (Gartenstraße 123) sowie am 24. März im alten Güterbahnhof (Hafenstraße 64) jeweils um 20 Uhr. Karten (12 / 7,50 Euro): 23 34 43.

13.03.2008 – Nils Küper in www.echo-muenster.de Zoogeschichte: Tierisch in vielen Beziehungen

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13.03.2008 – Nils Küper in www.echo-muenster.de
Zoogeschichte: Tierisch in vielen Beziehungen

Mit einem Paukenschlag meldeten sich Andreas Ladwig und Pitt Hartmann am Mittwoch auf der münsterschen Theaterbühne zurück. Mit ihrer Inszenierung der „Zoogeschichte“ von Edward Albee begeisterten sie bei der Premiere im Pumpenhaus das geneigte Publikum.
Das Stück, es besteht nur aus einem Akt, eine Parkbank ist die karge Kulisse. Und doch offenbart die Zoogeschichte in 50 Minutern weit mehr ungeliebte Details aus dem menschlichen Miteinander, als man es sich in Anbetracht des minimalen Beiwerks vorstellen mag.
Zwei Welten prallen aufeinander
Peter (Pitt Hartmann), ein liebenswerter, angepasster Familienvater mit klaren Vorstellungen vom Leben, sitzt in einer abgelegenen Ecke des New Yorker Central Parks auf eben jener Bank. Wie er es jeden Sonntagnachmittag tut. Für ihn ist die Welt in Ordnung.
Doch dann taucht Jerry (Andreas Ladwig) auf. Ein Außenseiter aus der heruntergekommenen Westside. Zwei Lebensstile prallen aufeinander, die Zerstörung nimmt ihren Lauf. Langsam zunächst und versteckt, doch dann rasend schnell, explosiv und schlussendlich tödlich.
Kein Blatt vor dem Mund
Jerry konfrontiert Peter mit seiner Vergangenheit als „wütend praktizierender Homosexueller“ ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die bildhafte, detailreiche Sprache Albees löst auch beim Zuschauer peinliche Betroffenheit aus. Schnell wird klar, dass Jerry kontaktgestört, vereinsamt und krank ist.
Die ungleichen Bankhocker sprechen miteinander und reden doch aneinander vorbei. Ihnen fehlt die Fähigkeit, sich auf den anderen einzulassen. Peter ist nicht in der Lage, die bildhaften Erzählungen seines Gegenübers in seine Wertvorstellungen einzuordnen und verliert zusehends die Besinnung. Der Kampf um die Parkbank wird zum Symbol für die zutiefst gestörte menschliche Beziehung.
Berührend
Unabhängig davon, auf welche der unzähligen Interpretationspfade man sich als Zuschauer begibt: Durch ihre schauspielerische Klasse schaffen es Hartmann und Ladwig, die verheerenden Auswirkungen dieser alltäglichen Begegnung berührend vor Augen zu führen.

13.03.2008 – Heike Hänscheid in www.echo-muenster.de: Himmelskörper im Pumpenhaus

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13.03.2008 – Heike Hänscheid in www.echo-muenster.de
Himmelskörper im Pumpenhaus

In ihrer russischen Heimat hat es lange gedauert, bis man die Arbeit von Olga Pona zu würdigen wusste. Zu sehr weicht das, was die studierte Traktormaschinenbau-Technikerin mit ihrem Chelyabinsk Contemporary Dance Theatre ausdrückt, vom tief geprägten russischen Kultur- und Ballettverständnis ab.

Die Zuschauer im münsterschen Pumpenhaus allerdings wussten gestern Abend offenkundig, dass sie Werke einer wichtigen zeitgenössischen Choreografin sahen. Ihr neues Stück „Celestial Bodies“ (Himmelskörper) zeigt einen Tanzstil, der der jungen Truppe viel abverlangt. Rein körperlich – man fragt sich angesichts der verdrehten Beine und Wirbelsäulen zuweilen, ob die sieben Tänzerinnen und sechs Tänzer überhaupt an Schwerkraft und Knochengerüst gebunden sind. Moderner Tanz sicherlich, Bodycontact – und viel eigene Bewegungssprache der knapp 50-jährigen Choreografin, Dozentin und Tänzerin, die ihre Protagonisten in Soli, Pas de Deux oder Pas de Troix auf die Bühne schickt. Einen Zustand verschiedener Dimensionen gleichzeitig möchte sie dabei erschaffen, so sagt sie selber – unspektakulär erzählt, spektakulär getanzt.

“Die Verrückte aus Chelyabinsk”

Das einfache und harte russische Leben wird als ihr persönlicher Hintergrund deutlich – die Perestroika erst hatte ihr den Zugang zur westlichen Entwicklung des modernen Tanzes geöffnet. Den ersten Workshop von Merce Cunningham in Moskau sah sie als Zuschauerin – und er war die Initialzündung zur Gründung der eigenen Company. Das wiederum trug ihr den Titel „Die Verrückte aus Chelyabinsk“ ein. Doch inzwischen gastiert das Ensemble gefeiert bei Festivals und Tourneen zwischen Polen und Frankreich, Litauen und Korea.

Tanzende Äpfel

Und eben in Münster: Nach dem Gastspiel im vergangenen Jahr nahm das Publikum das neue Stück mehr als freundlich auf. Als Himmelskörper fungierten dabei durchaus auch tanzende Äpfel, wirkungsvoll an unsichtbaren Fäden im Dialog mit den Tänzern kreisend und auf und ab steigend. Die rotierende Spiegelkugel – nach dem abschließenden „Raumschiffstart“ – war ein unerwartet poetischer Schluss für den doch eher herben Bilderbogen.

Audrey wird lebendig

Im zweiten Teil des Abends präsentierte die 30-jährige Tänzerin Maria Greyf (Foto), seit 1997 Mitglied des Tanztheaters, eine eigene Choreografie. Sie basiert auf einer Idee von Olga Pona , die auch Kostüm, Videobeitrag und Soundtrack zusammenstellte. „Audrey“ entstand im Jahr 2005 und befasst sich mit der Schauspielerin Audrey Hepburn – einer Ikone der westlichen Welt für russische Frauen, als man sich hinter dem Eisernen Vorhang häufig nur per Spielfilm informieren konnte.

Knetgummi und Federberg

Sich dieser Frau zu nähern, ihrer scheinbaren Leichtigkeit, Kindlichkeit und gleichzeitig Eleganz nachzuspüren, ist das Ziel des gut 20-minütigen Solos. „Die Erinnerung an diese Person zu überprüfen und sich dabei ein eigenes Bild zu schaffen“ , darum gehe es. Mit Knetgummi-Kontur, mit milchiger Klebe als Kleister, mit wildem Winden an einem Gummiseil entlang der Wand und einem barbusigen Bad im Federberg auf dem Bühnenboden. Den lang anhaltenden Beifall der Gäste gab die Tänzerin bescheiden zurück.

Die Company wird auch heute Abend um 20 Uhr im Pumpenhaus noch einmal beide Stücke präsentieren. Es gibt noch Karten.

Heike Hänscheid