Theater
fringe ensemble/phoenix5 (Bonn/MS)
Irgendein Land in Europa. Irgendein Bürgerkrieg. Literaturstudent Z. wird zur Miliz eingezogen und soll ethnische Säuberungen unter Zivilisten durchführen. Die Befehlshaber manipulieren ihn und seine Kameraden derart, dass keine Zweifel mehr an der grauenhaften Mission aufkommen. Das Morden wird Routine – bis Z. unter den Opfern einem Freund aus Kindertagen wiederbegegnet. fringe ensemble/phoenix5 haben sich mit dem Roman Winter im Morgengrauen des Dänen Jens-Martin Eriksen einen Stoff gewählt, der an das ewig Rätselhafte rührt: den Einbruch des Ungeheuerlichen in die Alltäglichkeit. Ihre eindringliche Fassung wirft Fragen nach der Banalität des Bösen und der Behauptungskraft der Menschlichkeit auf. Für Statements haben wir das Stück an den Ort gebracht, an den es von der Sache her hingehört: In ein Gericht. Und dort genau in den Gerichtssaal, der der Verhandlung von Kapitalverbrechen vorbehalten ist: Den Hauptsitzungssaal.
Zu Mördern gemacht
REGIE Frank Heuel
SCHAUSPIEL David Fischer, Manuel Klein, Harald Redmer
RAUM Eduardo Seru
DRAMATURGIE Svenja Pauka
IN KOOPERATION MIT Theater im Pumpenhaus Münster, theaterimballsaal Bonn
FÖRDERER Stadt Münster, Kunststiftung NRW, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Stadt Bonn
DANK AN die Mitarbeiter des Landgerichtes Münster
VERANSTALTUNGSORT: LANDGERICHT
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Der Druckverband, der diesem Abend den Titel gibt, hält das Blut zurück bei schweren Verletzungen. Auf der Bühne aber strömen die Bilder auf uns ein, als hätte die Compagnie Abattoir Fermé einen Stauschlauch der Verdrängung durchschnitten. Tourniquet erzählt keine Geschichte, das Thema ist die Geschichte selbst – als Metamorphose ohne Fortschritt. Das Archaische und die Gewalt pochen wild unter dem dünnen Firnis der Zivilisation. Das Setting einer heutigen Bar kann unversehens in ein hakenkreuzbeflaggtes Reichskabarett kippen. Ein moderner Zeitgenosse verwandelt sich in einen kultgläubigen Sonnenanbeter zurück. Riten und Religionen, Exorzismen und Exzesse, Kreuzigung und Opfergang kulminieren in der Regie von Stef Lernous in einem rauschhaften, filmbildstarken Orgien-Mysterien-Theater. Ein Abend ohne Worte, der den Zuschauer sprachlos zurücklässt.
Ulrike Meinhofs erste Studentenwohnung war in der Steinfurter Straße. In Münster war sie im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) aktiv, schrieb ihre ersten Aufrufe, publizierte u. a. in argument und gründete mit 20 Kommilitonen den Studentischen Arbeitskreis für ein kernwaffenfreies Deutschland, Münster. Am 20.05.1958 tritt Ulrike Meinhof erstmalig als Rednerin bei einer öffentlichen Kundgebung in Erscheinung – auf dem Hindenburgplatz.