Theater Sycorax (MS)
HERZSCHLAGWEIT heißt der letzte Teil der Trilogie über den Lebensdurst und seine Fallen (nach Sehnsuchtsschwimmer und Am anderen Ende ist der Himmel). 14 Menschen beantragen ihre Auswilderung. Wunsch und Wille sind stark, sich vom Alltagstrott zu befreien und die bestehenden Rituale zu entriegeln. Vom Himmel gefallen und gestrandet, hinausgeworfen und nah an den Abgrund gestreut – der Atem der Sehnsucht und des Abenteuers raunt über die Klippen. Überraschungen verbergen sich unter jedem Stein und der Horizont färbt ab. Das schnelle Leben und die Gewohnheiten haben sie hinter sich gelassen und suchen nun nach Zukunft. Einem neuen Leben, das gleich jetzt beginnt. Es riecht nach Ungewissheit, nach Überlebenskampf, aber auch nach deutlich spürbarem Zauber. Die Herzen schlagen weit. »Glück? Ja! Das mit dem Glück ist so ein Ziel von mir.«
KÜNSTLERISCHE LEITUNG Paula Artkamp, Manfred Kerklau
REGIEASSISTENZ Marcell Lehnert
TEXTFASSUNG Paula Artkamp
RAUM Hans Salomon
KOSTÜME Bettina Zumdick
MASKE Sabine Schubert
LICHTDESIGN Volker Sippel
PRODUKTION Theater Sycorax
IN KOPRODUKTION MIT DEM Theater im Pumpenhaus
GEFÖRDERT VON Kulturamt der Stadt Münster

»?Aber ich entschwand?…?« Ein Todesarten-Monolog mit Texten der Annette von Droste-Hülshoff
Raimund Hoghe gehört zu den Großen des internationalen Tanz- theaters. Als Tänzer und Choreo- graph wirkt er stilbildend in Europa. Und doch ist er hier zu Lande – obwohl preisgekrönt – eher rand- ständig. In Paris, London und Brüssel wird er vor ausverkauften Häusern ge- feiert. Seit vielen Jahren ist Raimund Hoghe eng mit dem Pumpenhaus verbunden, so dass bei uns eine Preview seiner neuen Produktion vor der Weltpremiere am 11. Mai im koreanischen Seoul zu sehen sein wird. Der Titel 36, Avenue Georges Mandel bezieht sich auf das Haus, in dem Maria Callas in ihren letzten Lebensjahren bis zu ihrem Tod 1977 gewohnt hat. Georges Mandel war ein (heute weitgehend vergessener) französischer Politiker und Ange- höriger der Résistance, der im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen hingerichtet wurde. In 36, Avenue Georges Mandel geht es um die Auseinandersetzung mit Leben und Kunst, Vorstellung und Realität, Einsamkeit und die Sehn- sucht nach Schönheit. Erzählt wird die Geschichte einer Person, die allein ist in einem Raum und sich erinnert. Bis schließlich eine zweite Figur erscheint, der junge Tänzer Emmanuel Eggermont – Traumbild, Jugenderinnerung, Schutzengel oder Passant, der eine neue Tür öffnet. Raimund Hoghe stellt eine Bezieh- ung zwischen Musik und Tanz her; vergleicht große Sänger wie die herausragende Maria Callas mit Tänzern und ihrem Bewusstsein für Bewegungen.
Dean Reed, der singende Cowboy, wird 1938 auf einer Hühnerfarm in einem staubigen Nest in Colorado geboren. Ein Amerikaner wie aus dem Bilderbuch: bezwingend attrak- tiv, charmant und mit ungeheurem Sendungsbewusstsein ausgestattet. Er wird zum unbekanntesten Super- star aller Zeiten. Die Menschen liegen ihm und seinen Liedern zu Füßen, ob in Nicaragua, Chile, Venezuela, im Libanon, in Russland. Und schließlich Anfang der 70er Jahre in der DDR. Ein Leben, das die Mythen des Rock’n’Roll und die des Kalten Krieges auf obskure Weise vereint. Der OstCowboy, der an den Sozialismus glaubt, wird 1986 tot aus dem Zeuthener See bei Berlin gezogen. Roger Trash, Sänger, Songwriter, Musiker und Autor mit 30 Jahren Bühnenerfahrung quer durch die Republik, begibt sich auf Spurensuche zu dem seelen- verwandten OstCowboy. Gemeinsam mit seinem Kollegen Serge Corteyn, dem Belgier aus Wattenscheid, folgt Trash der Fährte in dieser geheim- nisvollen Biografie und entdeckt Affinitäten und Dissonanzen. Die Inszenierung basiert auf doku- mentarischen und fiktiven Textmate- rialien, Musik und bearbeiteten Filmausschnitten.