fringe ensemble (Bonn) / Phoenix 5 (Münster)
Auf der Bühne riecht es nach Holz. Der Sarg für die Mutter ist fertig geworden. Ihr letzter Wunsch: Mann und fünf Kinder sollen sie im 40 Meilen entfernten Jefferson beerdigen. Nicht ihr Tod, um den niemand so recht trauert, ist das Ereignis, sondern die von ihr als späte Rache am Leben geplante Reise im Sarg zum Grab. Es regnet in Strömen, eine Brücke stürzt ein, die Pferde drohen abzusaufen, ein Sohn bricht sich das Bein, einer zündet eine Scheune an, einer rettet den Sarg aus den Flammen, die auf eine Abtreibung hoffende schwangere Tochter wird stattdessen vom Apotheker vergewaltigt… William Faulkner, Literaturnobelpreisträger und unerbittlicher Beobachter seiner amerikanischen Südstaatenheimat, schrieb “Als ich im Sterben lag” 1929. Frank Heuel inszenierte diesen Roman, der aus 59 einzelnen Monologen besteht, als deutsche Erstaufführung. “Für all die Mythen und elementaren Symbole Faulkners erfindet Heuels kluge Inszenierung eine ganz eigene Theatersprache, die bei aller amerikanischen Südstaaten-Tristesse auch mit Komik und witzigen Anspielungen nicht geizt. Das macht sie sinnlich spannend.” (General-Anzeiger, Bonn 14.9.’01)Schauspiel: S. v. Hoensbroech, G. Lennarz, B. Marugg, A. Meidinger, H. Redmer, U. Rehbein, B. Wachendorff
Musik: U. Bogislar, A. Meidinger
Dramaturgie: M. Weber
Regie: F. Heuel

Herr 1: “Alles was schön ist, ist schön”. Herr 2: “Aber alles was schön ist, hat doch eigentlich sowieso keinen Zweck” Sie sind wieder da: Die beiden Herren, die schon 1994 und 1995 im Pumpenhaus die Lachmuskeln der Besucher strapaziert haben. Schrill, abgedreht und gesegnet mit einer Portion biederer Ernsthaftigkeit machen sie sich ihre Gedanken und “treiben jede verrückte Idee tief in den Irrsinn. Dabei entwickelt sich ein nachdenklicher, teilweise kaum spürbarer Humor, der sich ganz langsam von hinten anschleicht” (WAZ) Regie führt damals wie heute Gunther Möllmann. Verkörpert werden die beiden Herren wieder von Pitt Hartmann und Manfred Kerklau, unterstützt von Barbara Kemmler als “Die Damengestalt” und Gunther Möllmann als “Der Diener”.
Die autobiographische Geschichte des Walter/Walli Hiller ist spannend und wechselhaft zugleich, denn er/sie hat in zwei Jahrhunderten und zwei Ge- schlechtern gelebt. Walter Hiller war Koch, Frontsoldat, Fräser, Ehemann und Familienvater, bevor er sich mit 51 Jahren endlich traute, in der DDR- sozialistischen Öffentlichkeit Frauenkleider zu tragen und Walli Hiller zu sein.
Noch bevor vorweihnachtliche Sentimentalitäten Herz und Verstand vernebeln können, führt das Transittheater seinen alljährlichen Präventivschlag gegen Emo-Schmock und Kling-Glöckchen-Shopping.
